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Visionen der Na...
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Philosophie - Neu

Redaktion Philosophie


Redakteure: Rainer Becker, Christian Diel, Reinhard Heil, Dirk Hommrich, Andreas Kaminski, Marc Ziegler. Kontakt: herausgeber(at)sicetnon.org oder mit unserem Kontaktformular



Alles hat seine Zeit. Zeitordnung und Wert

[Klaus Peter Müller] In der platonischen Welt hatte noch alles seine Zeit und darin drückte sich die Vertrauenswürdigkeit des Kosmos aus. Nach dieser Vorstellung konnte man das Rechte nur tun, weil es auch die rechte Zeit dafür gab. In der Moderne drängt sich hingegen eine andere Zeiterfahrung auf, die der temporalen Indifferenz.

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Die Politik der Zeit

[Dominic Desroches] Politik ist eine Frage der Zeit. Peter Sloterdijk und Daniel Innerarity analysieren auf originelle Art und Weise den Gebrauch, den die Politik von der Zeit macht. Was ist nun dran am Zorn als Motor der politischen Zeit? Wie nimmt man die Zukunft ernst in einer modernen Demokratie? Von der Wichtigkeit eine echte „Chronopolitik“ zu erfinden.

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Maschinenstürmerische Gegenwart. (Neo-)Ludditische Diskurse in literarischen und sozialgeschichtlichen Essays.

[Klaus Feisel] Wer kennt sie nicht: Die Arbeiteraufstände und Maschinenzerstörungen, welche im industrialisierten Europa des 17. und 18. Jahrhunderts aufflammten. Maschinenstürmer, auch Ludditen genannt, protestierten auf diese Weise gegen die voranschreitende Technisierung und die damit einhergehende Verelendung der Bevölkerung.
Derjenige, der nun jedoch annimmt, Zeugnisse jener längst vergangenen Tage nur noch in verstaubten Geschichtsbüchern oder literarischen Werken wie Gerhart Hauptmanns Die Weber vorzufinden, hat weit gefehlt: Denn auch heute gibt es noch verschiedenste maschinenstürmerische Bewegungen. Dabei handelt es sich aber nicht mehr nur um Aufstände wütender Fabrikarbeiter, sondern vielmehr auch um einen Protest, der sich auf intellektueller Ebene abspielt. Dieser ist unter dem Namen Neo-Luddismus bekannt.

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Lebedame und Philosophin: Ninon de Lenclos über Moral

[Claudia Simone Dorchain] Pascal und Descartes, Molière und Racine sind nur vier große Autoren, die das siebzehnte Jahrhundert, diese so bewegte und für vieles grundlegende Epoche, prägten. Neben großen Männern hat sie auch Frauen hervorgebracht, die, mit allen Erkenntnissen ihrer Zeit vertraut, eine philosophische Lebensweise lehrten und lebten. Eine davon ist Ninon de Lenclos (1620-1705), Adlige von Geburt, Epikuräerin von Gesinnung und streitbare Literatin aus Neigung. Ganz auf der Höhe ihrer Zeit und mit vielen Berühmtheiten per Du, widerspricht sie gängigen Vorurteilen mit bestechender Logik. Ihre Moral, die Anleihen beim griechischen Philosophen Epikur und seiner Betonung der Sinne macht, ist ausgesprochen antimetaphysisch und rein auf den Effekt bedacht: ist nicht die Liebe ein natürlicher Ausdruck des Willens, und ist nicht der Wille durch die Vernunft lenkbar? – Obwohl „nicht fleißig genug“, um ein regelrechtes System zu hinterlassen, spiegelt ihr Nachlass viele wichtige Ideen über Motivation, Wille und Moral, die ihre Ausprägung eigentlich erst im neunzehnten Jahrhundert erfahren haben, im Ansatz wider. Diesem philosophischen Spurenlesen will ich ein Beispiel geben: die Korrespondenz mit dem Marquis de Sevigné, die uns in 55 Briefen überliefert ist. Hierin berät sie den jungen Mann auf seinem Weg ins gesellschaftliche Leben, dessen Oberflächlichkeit sie entlarvt, wie auch in die Liebe.

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Zur Banalität des Bösen bei Hannah Arendt

[Esther Schröter] Im Eichmann-Prozess 1961 zeigte sich für Arendt ein Täter, der kein Bösewicht war. Es handelte sich nach Arendts Worten um einen Täter mit „[...] recht bescheidenen geistigen Gaben [...]“ , der auf seine Karriere bedacht war. Die Aussagen Adolf Eichmanns, des ehemaligen Leiters des Referats „Judenangelegenheiten, Räumungsangelegenheiten“, spiegeln für sie durchweg Tatsachen wider, in denen das Böse banal, als nichts Besonderes, gleichgültig, auftritt: „[...] denn in dem Bericht selbst kommt die mögliche Banalität des Bösen nur auf der Ebene des Tatsächlichen zur Sprache, als ein Phänomen, das zu übersehen unmöglich war.“ Diese Bestimmung des Bösen stellte einen Bruch mit der Denktradition dar, schließlich verliert das Böse mit dieser Beschreibung seinen dämonischen Charakter.

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vereinfachen, fälschen, vergessen - Operationen des Erkennens bei Proust und Luhmann

[Paul Gourgai] Stellt man Befunden der Systemtheorie von Niklas Luhmann Einsichten der ‚Recherche’ von Marcel Proust gegenüber, so eröffnen sich Dialoge komplementärer Aussagen, die darauf hindeuten, dass Prousts Einsichten mit Erkenntnissen der soziologischen Erkenntnistheorie Luhmanns korrespondieren. In Prousts Vorstellung sind ‚Vereinfachungen’ und ‚Fälschungen’ nichts weiter als Prämissen des Erkenntnisprozesses der »denkenden Hirne«, während in Luhmanns Konzeption die Reduktion von Komplexität auf Basis des Vergessens die »Bewusstseinssysteme« überhaupt erst in die Lage versetzt, ihre Funktion zu erhalten. Jenseits jeder vordergründigen Ethik verständigen sich die beiden Ansätze darauf, dass es keinen fixen Punkt geben kann, von dem aus beobachtet werden kann, sondern dass alles Erzählen immer nur von beweglichen Gesichtspunkten auf bewegliche Ziele gerichtet ist.

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Rationality and Freedom - Schelling's later Philosophy

[Malte Dominik Krüger] With Schelling’s later philosophy the rationality in German idealism bids farewell to its fantasy of almightiness. The rationality fails in the attempt of its ultimate justification. In the reality of an absolute ground it cannot assure itself of its own reality. The rationality realises that it is being related to an absolute, but its reality as creative freedom withdraws itself from the conceptualising striving of the rationality (negative philosophy). However, the possibility of this rationally ungraspable reality, as understood by the rationality, liberates to create theoretically a not enforceable change of perspective (religion), which is nonetheless not to be denounced as irrational. Afterwards, the “unlocked” rationality is able to diagnose the world in the horizon of the creative freedom of the absolute (positive philosophy).

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Fremderfahrung im Sport

[Petra Rogge] Es ist nicht Alea, die Spielerische, die auf den Bühnen des Sports eine prägnante Rolle bekommt, es ist der in Höchstmaßen punktende Agon. Eine zu erprobende Variante wäre etwa die Besetzung des sportiven Stücks mit zwei starken Hauptrollen: Agon darf als wetteifernder Hagestolz so bleiben wie er ist. Ihm wird Alea, die frei lassend Spielerische an die Seite gestellt.

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Rezension: Ruffing, Reiner - Michel Foucault.

[Jens Haelterlein] Reiner Ruffings Buch über Michel Foucault aus der Reihe Profile orientiert sich in seiner formalen Gestaltung an Foucaults Idee des Werkzeugkastens und erfüllt dabei den Anspruch der Reihe, klar, knapp und konkret zu sein.

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was heißt deleuzianisch? Zur Aktualität von Gilles Deleuze.

[Réne Steininger] Wenn es stimmt, dass jedes Kunstwerk eine Gefahr in sich birgt, so ist nicht einzusehen, wie man dieses Wagnis eingehen und sich gleichzeitig seine „Lebensqualität erhöhen“ kann. Die des Konsumenten erhöht es zweifellos. Aber Rimbaud auf gut dotierter Lesetour, Kafka bei Kipferl und Kaffee in der Villa Massimo, Nietzsche im angeregten Plausch mit dem Kulturredakteur der FAZ? Unausgesprochenes Ziel ist eine Art Wellnessphilosophie, die keine höhere Form der Auflehnung mehr kennt, geschweige denn proklamieren darf als diejenige der Ironie - von der David Foster Wallace einmal treffend gesagt hat, dass sie das Lied eines Vogels sei, der seinen Käfig liebt.

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Historische und systematische Überlegungen zum neuzeitlichen Fortschrittsparadigma und seiner Restitution angesichts aktueller technologischer Visionen

[Andreas Woyke] Die Vorstellung eines universellen Fortschritts, innerhalb dessen sich einzelne wissenschaftlich-technologische und gesellschaftlich-politische Fortschritte weitgehend überlagern, hat ihre wesentlichen Wurzeln in den programmatischen Methodologien Bacons und Descartes und in der aufklärerischen Idee einer teleologisch verstandenen Universalgeschichte. Insbesondere wichtige Ausprägungen eines geschichtsphilosophisch verstandenen Fortschritts in den Varianten „technomorpher“ Orientierung bei Condorcet und Comte und „anthropomorpher“ Orientierung bei Kant und Hegel werden einer näheren Betrachtung unterzogen. Jenseits rein optimistischer und pessimistischer Akzentuierungen geht es um eine differenzierende Antwort auf die Frage, inwieweit wir im Blick auf unsere Gegenwart tatsächliche Fortschritte konstatieren können. Abschließend wird eine kritische Beurteilung der Restitution des neuzeitlichen Fortschrittsparadigmas angesichts aktueller technologischer Visionen unternommen.

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Popper neu lesen oder Der Streit um des Esels Schatten.

[Hans-Joachim Niemann] Allzu leicht ist es, einen großen Denker misszuverstehen, wenn man für seine Definitionen und Begriffe Exaktheit und Vollständigkeit einklagt. Ich empfehle, sich von entsprechenden Kritikern nicht darin stören zu lassen, Popper so zu lesen, dass er einen fruchtbaren Lesegewinn bringt. Lieber das äußerst geringe Risiko eingehen, wertvolle Gedanken in einen Text hineinzulesen, als der großen Versuchung nachzugeben, Fehler herauszulesen, die mit ein bisschen Analytik und Logik auf billige Weise immer zu haben sind.

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Zur Subversion der Bildung bei Foucault und Koneffke

[Inge Kurz] Die beiden auf den ersten Blick sehr unterschiedlich scheinenden Denkansätze des Bildungstheoretikers Gernot Koneffke einerseits und des französischen Denkers Michel Foucault andererseits werden im vorliegenden Text mit Bezug auf das Verhältnis von Bildung und Subversion zusammengebracht, ohne miteinander verschmolzen zu werden.

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Kritik am metaphysischen Realismus

[Ahmet Terkivatan] Ausgehend von der Nichtigkeit einer essentialistischen Bestimmung der Welt im Sinne eines metaphysischen Realismus besteht das Hauptziel der folgenden Arbeit in der Begründung der (sinnkritischen) „ontologischen“ These, dass es eine unabhängig von uns existierende, aber uns nichts vorschreibende Welt gibt (ontologische Unabhängigkeitsthese): Die Frage nach der Realität der Außenwelt kann, aber muss nicht ausgeklammert werden, weshalb eine Konzeptualisierung der Erkenntnistheorie in Abhängigkeit einer Ontologie unausweichlich ist. Denn wir gehen immer schon eine ontologische Verpflichtung ein, wenn wir denken, urteilen oder sprechen. Im Kantischen Sinne ist es unumgänglich, jedwedes Objekt unseres Denkens als vorgegeben anzunehmen, ohne der Auffassung zu sein, dass es ein „reines Gegebenes“ gäbe oder dieses Vorgegebene bereits Erkenntnis sei („Mythos des Gegebenen“). Selbst ein Zeichen ist immer ein Zeichen von etwas, was wir nicht selbst geschaffen haben und was uns vorgegeben ist. Da die Ablehnung der Annahme einer „externen Realität“ vielfach einer kritischen bzw. undifferenzierten Auseinandersetzung mit dem metaphysischen Realismus geschuldet ist, wird zunächst auf den metaphysischen Realismus eingegangen. Es wird zu sehen sein, dass die Ablehnung des metaphysischen Realismus nicht eo ipso eine Ablehnung einer externen Realität bedeutet und bedeuten kann.

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Dietmar Dath: Maschinenwinter (Rezension)

[Thomas Doerfler] Vorderstes Interesse von Dath ist es, die letzten Verstaubtheiten des (alten) linken Denkens »ante 1989« hinwegzufegen, um Platz für das Neue zu machen: dem technisch durchgeplanten Sozialismus auf Basis der entfesselten, nicht ideologisch gebannten Maschinen.

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Luciano Canfora: Eine kurze Geschichte der Demokratie

[Kevin Zdiara] Canfora unternimmt in seinem Buch ‚Eine kleine Geschichte der Demokratie’ den Versuch, die Entwicklung der europäischen Demokratie als eine Geschichte der Klassenkämpfe zu beschreiben. In einer historischen tour de force führt Canfora den Leser an die Orte und Zeitpunkte, die ihm für die Entwicklung der Demokratie zentral und entscheidend erscheinen. Vor allem die Wendepunkte der europäischen Geschichte – 1789, 1871, 1917 – stehen bei ihm im Zentrum. Letztlich erfolgreich kann das demokratische Modell nur sein, so Canfora, wenn alle in und an ihm beteiligt sind.

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Bergsons Suche nach der verlorenen Zeit

[Klaus Peter Müller] Henri Bergson denkt eine Form des temporalen Komparativs, der verborgen sein soll und den es gilt zu entdecken. Die Philosophie wird zum Wegweiser, zu einem Übergang, der zur wahren Zeit führen soll. Die Philosophie als methodische 'Suche nach der verlorenen Zeit', das ist nach ihm - in Anspielung auf den Roman von Proust - ein Ansatz, den vorher noch niemand versucht hat.

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Scientific-Technical and Normative Foundations of the New Man

[Richard Saage] The collapse of the Soviet-style regimes in Europe led some to claim the "end of the utopian age", a topic that dominated public opinion at the beginning of the 1990s. Since the beginning of the twenty-first century, the public has been confronted by a new challenge, one that is associated with the rise of the nano-, bio-, computer, and neurosciences and of brain research and the technologies that these have brought about. At issue is no longer the competition between two systems, namely between the allegedly "utopian" communist planned economies and the constitutional type of society embodied by Western democracies with their neoliberal claim to global applicability. At issue is the vision of a new man that is supposed to result from the interaction of these new primary sciences. The aim of this article is not just to reveal the roots of the term "new man" in the utopian tradition. It also discusses the differences in the most recent variant of meaning as well as the anthropological and ethical problems which follow from the vision of a technically enhanced new man.

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Rezension: Ian Buruma / Avishai Margalit: Okzidentalismus

[Ulrich Arnswald] Buruma und Margalit haben ihr Buch Okzidentalismus als Gegenstück zu Edward Saids Buch Orientalismus konzipiert, der einst mit seinem Standardwerk der Postkolonialismusforschung aufzeigte, wie der europäische Imperialismus den Orient kulturell erst projektiert hat. Dem stereotypen Bild des Orients im Westen entspräche ein ebenso vorgerastertes Bild des Abendlandes im Orient. Das Buch kehrt den Blick um, auch wenn sich das Phänomen des Okzidentalismus geographisch nicht eindeutig festlegen lässt. Die Autoren definieren Okzidentalismus als den blinden Hass gegen die Errungenschaften liberaler Gesellschaften, für dessen Motive auch westliche Intellektuelle bis zum heutigen Tag Sympathie hegen. Das Buch zielt darauf ab, die allgemeine Verdachtshaltung gegenüber dem Westen zu untersuchen, die Antriebskräfte des Okzidentalismus zu verstehen, aber auch die zahlreichen historischen Spuren anti-westlichen Denkens dingfest zu machen. Die Hauptthese lautet, dass der derzeitige Kampf des Islamismus gegen den Westen seine Ursprünge im Westen selbst hat.

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Von Überraschungsmomenten und Lernprozessen in der 'Cultural Theory'.

[Andreas Metzner-Szigeth] In
 der
 'cultural
 theory'
 (Thompson/Ellis/Wildavsky
)
 gibt
 es
 durchaus 
Ansatzpunkte 
für
 eine 
'realistische' 
Rückbindung
 kulturkonstruktivistischen
 Denkens.
 Diese
 finden
 sich
 einerseits
 in
 Verbindung
 mit
 den
 deskriptiven
 und
 präskriptiven
 Funktionen
 soziokultureller
 Konstruktionen.
 Zum
 anderen
 überrascht
 auch
 ihre
 Erklärung
 kulturellen
 Wandels,
 insofern sie auf das Moment erwartungsenttäuschender 
Ereignisse 
rekurriert.


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Rezension: Dialektik der Säkularisierung

[Ulrich Arnswald] Der Dialog zwischen dem Philosophen Jürgen Habermas und Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., steckt in starker Übereinstimmung die Sphären von Religion und Vernunft ab. Ratzinger begrüßt die Vernunft als Korrektiv des religiösen Glaubens, Habermas wiederum die religiösen Empfindungen als bedeutsame Einsichten für die Philosophie jenseits des Vernunftprimats. Die Dialektik der Säkularisierung ist sie zugleich die Einsicht in das Scheitern und die Begrenztheit von Glaube und Vernunft im Angesicht postmoderner Gesellschaften. Wissenschaftliche Vernunft und Religion geben sich damit zufrieden, nur noch teilweise Wahrheit und Moral vertreten zu können.

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Hugenotten in Deutschland. Die Einwanderung von französischen Glaubensflüchtlingen

[Michael Lausberg] Obwohl die Emigration der Hugenotten aus Frankreich eine der größten Wanderungsbewegungen in der Frühen Neuzeit darstellte, weist die Migrationsforschung über das Leben der Glaubensflüchtlinge in den protestantischen deutschen Territorien erhebliche Lücken auf. Folgende Fragen stellen sich: Wie lief die Aufnahme der Hugenotten in die protestantischen Staaten ab und worin lag die Motivation der jeweiligen Landesherren? Wie gestaltete sich das religiöse Leben der Flüchtlinge? Welche Rechte und Pflichten besaßen die Exulanten? Wie entwickelte sich das Verhältnis zur autochthonen Bevölkerung?

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Was ist das Alevitentum? Über die alevitische Mystik

[Ahmet Terkivatan] Im folgenden Beitrag geht es im Kern um die Beantwortung der Frage „Was ist das Alevitentum?“. Für diesen Zweck wird die alevitische Mystik im Unterschied zur islamischen Mystik am Leitfaden der wahdat al-mewdschud (Einheit aller Seienden) Lehre expliziert. Es wird für die These argumentiert, dass diese Lehre und nicht die wahdat al-wudschud Lehre für das alevitische Verständnis des ana´l-haqq Prinzips und für das Alevitentum konstitutiv ist. Deshalb kann das Alevitentum nicht innerislamisch situiert werden.

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Rezension: Konsumgesellschaft

[Jens Hälterlein] Christian Kleinschmidt bietet auf weniger als 200 Seiten einen kenntnisreichen und gut lesbaren Überblick über die Geschichte des Konsums in Deutschland. Neben sozialstrukturellen Faktoren, statistischen Daten und Werbestrategien wird vor allem die strukturierende Wirkung der staatlichen Konsumpolitik behandelt. Das Buch verdeutlicht: Ohne die normierende Rolle des Staates lässt sich die Geschichte der Konsumgesellschaft nicht verstehen.

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Rezension: Der geheime Name Gottes

[Jochen Schwenk] Christian Robert Lange ist mit dem im Phillippp von Zabern Verlag in Mainz erschienenen historischen Roman „Der geheime Name Gottes“ etwas gelungen, was nur Wenigen und selten gelingt: Der Sprung vom wissenschaftlichen Arbeiten zum prosaischen Schreiben. Christian Lange – von Berufs wegen Islamwissenschaftler – folgt in seinem Roman den historischen Spuren Ibn Battutas, einem berberischen Gelehrten, der im 14. Jahrhundert die damalige islamische Welt bereiste.

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Die Pluralität der Vorstellungen vom Lebensende

[Petra Rogge] Dass es gute Todesarten für Narren und für Weise gibt, beklagt Montaigne im Dritten Buch seiner Essais und fordert dagegen solche ausfindig zu machen, die für die Menschen dazwischen geeignet sind. Schon hilfreich wäre hier die umsetzende Einsicht, dass dem finalen Moment in der Regel nicht nur viele entscheidende Augenblicke des Sterbens vorausgehen, sondern diese Momente zudem als plural beschaffen erfahren werden können. Hinzu den diversen Todesarten, den Erkrankungen und deren Vorgeschichten, mag dem Einzelnen der Schwächetod vielleicht sanft erscheinen oder der Gifttod quälend, das Lebensende durch eine Pneumonie bitter vorkommen oder durch einen hämorrhagischen Schock leicht. Wie jemand dann tatsächlich zu sterben vermag, kann im Fall wesentlich davon abhängen, welche Betrachtungsweisen, Vorstellungen oder Einstellungen die Betroffenen oder auch Begleitenden für sich an das Sterben anlegen (können sollten).

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John Rawls: Lectures on the History of Political Philosophy

[Andreas Corcaci] Die posthum erschienenen „Lectures on the History of Political Philosophy“ fassen eine Reihe von Manuskripten zusammen, die John Rawls im Laufe seiner Lehrtätigkeit an der Universität Harvard zu Hobbes, Locke, Hume, Rousseau, Mill und Marx anfertigte. Damit ist – lässt man Marx außen vor – eine Gegenüberstellung zwischen kontraktualistischen sowie utilitaristischen Autoren zu beobachten, die Rawls auf zentrale philosophische Ideen hin untersucht. Er wahrt dabei stets den Bezug zu seiner eigenen liberalistischen Gerechtigkeitstheorie und folgt somit einem narrow focus, der die Rawlssche Lesart bis zum Ende kennzeichnet. Als wegweisendem Autor der Vertragstheorie kommt Rousseaus demokratietheoretischem Werk eine entscheidende Bedeutung zu, weshalb sich die Rezension inhaltlich auf dessen Kapitel konzentriert. Insbesondere wird hierbei der Frage nach einer Vereinbarkeit des „Discours sur l’inégalité“ mit dem „Contrat Social“ nachgegangen, was auch ein Hauptanliegen von Rawls darstellt.

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(Fast) Live. Zur Dekonstruktion medialer Gleichzeitigkeit

[Guido Isekenmeier] Das Fernsehen gilt weithin als Live-Medium. Aus theoretischer Sicht ist jedoch darauf zu bestehen, dass es stets nur fast live ist. Mit Derridas Sprechakttheorie des (Medien-) Ereignisses und Eschs Rhetorik der (televisuellen) Temporalität werden zwei Modelle vorgestellt, die ein Fern-Sehen ausgehend von der unhintergehbaren Verspätung seiner Bilder entwerfen, und es von einer Sichtweise abgrenzen, der Television als Medium der Gleichzeitigkeit gilt.

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‚Bio’ – Zwischen Konsumismus und Askese

[Jens Hälterlein] Die Bio-Branche vollzieht zurzeit eine Entwicklung, die den ursprünglichen Zielen der Öko- und Alternativbewegung widerspricht. In der Auseinandersetzung zwischen den Prinzipien „Bio für alle“ und „Klasse statt Masse“ spiegelt sich der Gegensatz von Massenproduktion und nachhaltigem Wirtschaften. Zugleich stehen sich hier eine Ethik des Konsumismus und eine Ethik der Konsumaskese gegenüber. Anstatt mit den Funktionserfordernissen der Konsumgesellschaft in Konflikt zu geraten, ist der Individualismus der 1970er Jahre heute zu einer Produktivkraft auf erweiterter Stufenleiter geworden.

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Zur tödlichen Strategie der Selbstmordattentäter

[christian buder] Der exzessive Tötungsrausch eines Attentäters entspricht dem traumatischen Grad, der nötig ist, um von der Informationsmaschinerie der Medien wahrgenommen zu werden. Erst durch die exzessive Tat und ihres In-Szene-Setzen wird die Tat zum traumatischen Ereignis für den „Anderen“. Amokläufer und Selbstmordattentäter mit terroristischem Hintergrund mögen sich in ihrer psychologischen Motivationsstruktur unterscheiden, beiden ist gemeinsam, dass sie versuchen durch ihre Tat in die mediale Öffentlichkeit vorzudringen.

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