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vereinfachen, fälschen, vergessen - Operationen des Erkennens bei Proust und Luhmann

[Paul Gourgai] Stellt man Befunden der Systemtheorie von Niklas Luhmann Einsichten der ‚Recherche’ von Marcel Proust gegenüber, so eröffnen sich Dialoge komplementärer Aussagen, die darauf hindeuten, dass Prousts Einsichten mit Erkenntnissen der soziologischen Erkenntnistheorie Luhmanns korrespondieren. In Prousts Vorstellung sind ‚Vereinfachungen’ und ‚Fälschungen’ nichts weiter als Prämissen des Erkenntnisprozesses der »denkenden Hirne«, während in Luhmanns Konzeption die Reduktion von Komplexität auf Basis des Vergessens die »Bewusstseinssysteme« überhaupt erst in die Lage versetzt, ihre Funktion zu erhalten. Jenseits jeder vordergründigen Ethik verständigen sich die beiden Ansätze darauf, dass es keinen fixen Punkt geben kann, von dem aus beobachtet werden kann, sondern dass alles Erzählen immer nur von beweglichen Gesichtspunkten auf bewegliche Ziele gerichtet ist.


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