Rezension: Ian Buruma / Avishai Margalit: Okzidentalismus (Hanser)

Ulrich Arnswald

Abstract


Buruma und Margalit haben ihr Buch Okzidentalismus als Gegenstück zu Edward Saids Buch Orientalismus konzipiert, der einst mit seinem Standardwerk der Postkolonialismusforschung aufzeigte, wie der europäische Imperialismus den Orient kulturell erst projektiert hat. Dem stereotypen Bild des Orients im Westen entspräche ein ebenso vorgerastertes Bild des Abendlandes im Orient. Das Buch kehrt den Blick um, auch wenn sich das Phänomen des Okzidentalismus geographisch nicht eindeutig festlegen lässt. Die Autoren definieren Okzidentalismus als den blinden Hass gegen die Errungenschaften liberaler Gesellschaften, für dessen Motive auch westliche Intellektuelle bis zum heutigen Tag Sympathie hegen. Das Buch zielt darauf ab, die allgemeine Verdachtshaltung gegenüber dem Westen zu untersuchen, die Antriebskräfte des Okzidentalismus zu verstehen, aber auch die zahlreichen historischen Spuren anti-westlichen Denkens dingfest zu machen. Die Hauptthese lautet, dass der derzeitige Kampf des Islamismus gegen den Westen seine Ursprünge im Westen selbst hat.


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