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John Rawls: Lectures on the History of Political Philosophy
[Andreas Corcaci] Die posthum erschienenen „Lectures on the History of Political Philosophy“ fassen eine Reihe von Manuskripten zusammen, die John Rawls im Laufe seiner Lehrtätigkeit an der Universität Harvard zu Hobbes, Locke, Hume, Rousseau, Mill und Marx anfertigte. Damit ist – lässt man Marx außen vor – eine Gegenüberstellung zwischen kontraktualistischen sowie utilitaristischen Autoren zu beobachten, die Rawls auf zentrale philosophische Ideen hin untersucht. Er wahrt dabei stets den Bezug zu seiner eigenen liberalistischen Gerechtigkeitstheorie und folgt somit einem narrow focus, der die Rawlssche Lesart bis zum Ende kennzeichnet. Als wegweisendem Autor der Vertragstheorie kommt Rousseaus demokratietheoretischem Werk eine entscheidende Bedeutung zu, weshalb sich die Rezension inhaltlich auf dessen Kapitel konzentriert. Insbesondere wird hierbei der Frage nach einer Vereinbarkeit des „Discours sur l’inégalité“ mit dem „Contrat Social“ nachgegangen, was auch ein Hauptanliegen von Rawls darstellt.
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Das visuelle Handeln und die Kostbarkeit des Sichtbaren. Eine Apologie des Visuellen.
[Helmut Pape] Der Normalverbraucher und -philosoph, wenn er einmal von seiner Bildzeitung, seinem Buch oder dem Farbfernseher aufblickt, macht sich nicht klar, dass ihm heute kaum ein Wissenschaftler noch zugesteht, dass er Wirkliches erkennt, wenn er den Blick auf die Dinge seiner Umgebung - Autos, Fernseher, Mitmenschen - richtet. Denn in unserer Zeit beansprucht der herrschende Szientismus in Politik, Kultur und den Wissenschaften, dass allein die Naturwissenschaften, vielleicht ergänzt durch die Wirtschaftswissenschaften, erkennen können, was wirklich der Fall ist. Sollten wir dem nicht entgegenhalten, dass auch die normalen Menschen in ihrem alltäglich gelingenden Leben eine unverzichtbare Schicht der Wirklichkeit erkennen - und zwar weil wir sie sehen können?
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Tagungsbericht: Summer-University „Le differend politique“
[Andreas Hetzel] Vom 01.09.-10.09.2007 trafen sich etwa 100 WissenschaftlerInnen und Studierende aus Brasilien, Haiti, Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland, China, Japan und Taiwan zu einer Sommeruniversität unter dem Titel „Le differend politique“ in Chilhac/Frankreich. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von Alain Brossat (département de philosophie de l’Université Paris 8-Saint Dennis) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialtheorie der Chiao Tung Universität (Taiwan) sowie den Philosophischen Instituten der Universitäten Porto und Darmstadt. Die Teilnehmer einte ein Interesse an der Relevanz poststrukturalistischer und postmarxistischer Ansätze für die theoretische Konzeptualisierung kultureller Differenzen. Den Fokus bildeten dabei Fragen nach einer Politik der Übersetzung, die sich eng mit dem aktuellen Projekt „Übersetzungen – Risse der Verständigung“ am Institut für Kulturforschung Heidelberg berühren.
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Modell Metapher - Zur Genese philosophischer Theorien
[Rüdiger Zill] Wenn wir in den Humanwissenschaften Forschungsgebiete abstecken, ihre Elemente identifizieren, Daten sammeln und Beziehungen zwischen ihnen aufzeigen wollen, kurz, eine neue Theorie aufzustellen versuchen, brauchen wir Vorgaben, Vorbilder, die sich oftmals rhetorischen Figuren verdanken. Der vorliegende Text konzentriert sich auf die erfolgreichste Variante tropischen Denkens, die Metapher. Ihre Rolle im Prozess innovativen Denkens ist heute weitgehend anerkannt. Damit kommt aber gleichzeitig eine andere Form analogisierenden Denkens in den Blick, die weit besser erfasst, was zur Debatte steht, wenn es um die Konstitution von neuen philosophischen und wissenschaftlichen Diskursen geht: das Modell, wobei der unscharfe Gebrauch des Metaphernbegriffs diesen nicht selten synonym mit dem des Modells erscheinen lässt. Hier nun sollen beide Begriffe als klar verschiedene Phänomene verstanden werden. Erst wenn man sie jeweils in ihren Eigenheiten gelten lässt, können sie auch wieder fruchtbar aufeinander bezogen werden. Im speziellen Fall nun wird die (besser erforschte) Metapher zum Modell des Modells.
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Knowing how? Ethische Fragen an den Umgang mit Stillgeburten im medizinischen Alltag
[Petra Rogge] In der Ökonomie der Schwangerschaftsvorsorge sind die Akteure (Schwangere, Kind und Behandlungspersonal) irritierend uneindeutig positioniert. Einerseits ist der Vorsorge gemäß der Mutterschafts-Richtlinien die Suche nach Defiziten in der pränatalen Entwicklung des Kindes und der Abgleich mit dem ‚Gesundheitszustand’ der Schwangeren eingeschrieben. Andererseits sehen die Richtlinien und damit die vorsorgende Begleitung der Ärzte und Hebammen entdeckte Defizite nicht wirklich vor. Oder anders: Der eintretende Fall des negativ Unerwarteten im Verlauf der Schwangerschaft wird zwar möglicherweise erkannt, erfährt aber keine in ethischer Hinsicht angemessene Begleitung. So enden etwa 8 Prozent der diagnostizierten Schwangerschaften nicht mit dem erwarteten ‚freudigen Ereignis’ einer gesunden Lebendgeburt, sondern mit einem avitalen Embryo oder Fetus. Mangelnde Konzepte für den Umgang mit der nicht erfüllten ‚guten Hoffnung’, Informations- und Kommunikationsdefizite der Diskurspartner sowie Uneindeutigkeiten bei Fragen zu dem hier angelegten Menschenbild prägen diese Verlustsituation.
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Von Cyber-Identitäten, virtuellen Gemeinschaften und vernetzter Individualisierung - sozial-psychologische Überlegungen. (Update)
[Andreas Metzner-Szigeth] Ausgehend von einer generellen Ko-Evolution von Medien und Entwicklung ist zu sagen, dass diese Ko-Evolution ganz und gar auch den sozialen Raum netzbasierter Kommunikation durchzieht, dafür sorgt, dass hierin die Vielschichtigkeit und Mannigfaltigkeit der gesellschaftliche Gefüge nicht nur einfach widergespiegelt werden, sondern diese potenziert werden, so dass wir es, bildlich gesprochen, mit einem Vergesellschaftungs-Motor oder besser -Triebwerk zu tun haben..
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María do Mar Castro Varela, Nikita Dhawan, Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung. (Rezension)
[Bruno Arich Gertz] Castro Varela und Dhawan präparieren klug die Grundzüge der Hauptvertreter/innen postkolonialer Kritik heraus, konzentrieren sich dabei auf jeweils wenige Charakteristika (bei Spivak etwa das Konzept der „Subalternen“) und entfalten diese sorgfältig samt der vielfach an ihnen geübten Kritik. Auf diese Weise werden ausführliche Schwerpunkte gesetzt , von denen ausgehend zusätzliche, die Argumentation der Theoretikerin beeinflussende Denkschulen umsichtig erörtert werden (Marxismus, Dekonstruktion).
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Slum City. Mike Davis: Planet der Slums. (Rezension)
[Christian Schröder] Mega-Slums mit bis zu vier Millionen Menschen wie in Mexiko-Stadt sind eine jüngere Erscheinung. Erst nach der Entkolonialisierung in den 1960er Jahren ist es zu einer explosionsartigen Errichtung von Slums in den Metropolen des Südens gekommen, als institutionelle Beschränkungen des städtischen Wachstums aufgehoben wurden.
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Kritische Überlegungen zum Verhältnis zwischen Naturerkenntnis und Naturbeherrschung in Anlehnung an Friedrich Nietzsche.
[Andreas Woyke] Weder eine verflachende Sehnsucht nach einer „schönen und heilen Natur“ noch das Vertrauen auf technische Reparaturmechanismen weisen einen Weg aus der häufig beschworenen Krise, sondern lediglich eine scharfe Kritik an einem einseitig auf Herrschaft bezogenen Naturverständnis und das Bemühen um Gegenperspektiven, wie sie sich insbesondere durch das Einlassen auf eine „Ästhetik der Natur“ ergeben können. Friedrich Nietzsche zeigt sich uns als ein Denker, der nach wie vor äußerst wichtige Vorgaben für beide Aspekte liefert und damit über die neomarxistische Idee einer „Übergesellschaft“ ebenso hinausweist wie über einen „technischen Humanismus“ im Sinne von Jürgen Habermas.
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"Au clair de la lune" (Film-Besprechung)
[Bettina Engels] Ihr Europäer schottet eure Grenzen ab, während ihr selbst so selbstverständlich in unsere Länder kommt, als würdet ihr aufs Klo gehen! (Tiken Jah Fakoly)
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Aufklärung oder Propaganda? Die mediale Vermittlung medizinischen Wissens in (medizin)ethischer Hinsicht
[Petra Rogge] Zu den „Gesundheitsinfonauten“ (Sass) gehört jene sich mehrende Gruppe von Informationswilligen, die medizinisches Wissen eigenständig etwa über das Internet für sich abruft. Ganz im Sinne eines „informed consent“, was als Regelkodex ärztlichen Handelns an sich den Bringschuldner Arzt dazu auffordert, für Patienten eine transparente Behandlungssituation zu schaffen, so dass die Behandelten der Behandlung informiert zustimmen oder sie gegebenenfalls auch ablehnen können, soll die mediale Medizininformation den Infonauten ein Wissen für ihre Situation als (potentielle) Patienten vermitteln, so dass sie als bereits Kundige in die Behandlung eintreten können. Die Frage, die sich hier in medizinethischer Hinsicht stellen lässt und der am Beispiel der „Organspende- Kampagne“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) exemplarisch nachgegangen werden soll, ist, wie der mediale Kanal Internet mit Ambivalenzen und Komplexitäten der ‚Sache Organspende’ umgeht. Oder anders: Sind bei dem Versuch der BzgA, über die eigene Internetseite mit Informationen zur postmortalen Organspende an den „Infonauten“ heranzutreten, „Maschinen der Überredung“ (Kant) am Werk oder vermag die Bundeszentrale ihrem aufklärerischen Selbstverständnis gerecht zu werden.
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Gegen die Kriminalisierung kritischer Wissenschaft - Hinweis auf externen, offenen Brief an die Generalbundesanwältin Monika Harms. (NewsUpdate)
[Offener Brief] Wir appellieren an die Bundesanwaltschaft, die Unterstellung fallen zu lassen, die wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Andrej H. begründeten eine intellektuelle Täterschaft in einer terroristischen Vereinigung. Aus der wissenschaftlichen Arbeit von Dr. Andrej H. lassen sich unter keinen Umständen Rechtfertigungen für einen Haftbefehl herleiten. Eine solche Argumentation stellt eine fundamentale Bedrohung der Freiheit von Forschung und Lehre dar.
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Sic et Non. Ausgabe #8. 2007.
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[medien]
[technik- und wissenschaft]
[politische philosophie]
[abschlußarbeiten]
ISSN 1431-2395 (online)
(c) 2007 Sic et Non, Darmstadt
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